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 Förderkreis Frauennotruf Landkreis Wesermarsch e.V. 

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 Kreiszeitung Wesermarsch, 22.09.2006 
Missbrauchsopfern eine Stimme geben
Förderkreis Frauennotruf veranstaltet Lesung - Unter die Haut gehende Texte
Nordenham (rade). Berichte über Mädchen und Frauen, die sexuell missbraucht wurden, sind in den Medien nicht selten. Solche Übergriffe finden aber nicht nur in der "fernen bösen Welt" statt, sondern in Familien, im Freundeskreis, in der Umgebung. "Schauen Sie hin", forderte Heide Hildebrand. Gewalt gegen Frauen gibt es überall.

Mit einer Vortragsveranstaltung des Frauennotrufes im Friesenzimmer des Nordenhamer Museums machten die mitglieder des Vereins aufmerksam auf diese Problematik. "Jetzt kann ich wieder lachen" lautete das Thema der Lesung mit Sylvia Springer. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung, die von der Frauenbeauftragten der Stadt Nordenham, Karin Windheim-Czichon, unterstützt wurde, von dem Gitarristen Detlef Extra.

"Wir möchten die Frauengruppen der Stadt miteinander vernetzen", betonte die Frauenbeauftragte. Allerdings bleiben die Mitglieder des Frauennotrufes an diesem Abend weitgehend unter sich.

Die Vorsitzende des Förderkreises, Heide Hildebrand, sprach von den Missbrauchsopfern als "Überlebende". Ihnen wolle man mit der Lesung eine Stimme geben. Sylvia Springer las Gedichte von betroffenen Frauen vor, sowie Passagen aus dem Buch "Trotz alledem".


Detlef Extra, Sylvia Springer, Heide Hildebrand, Karin Windheim-Czychon und Claudia Eichner
Den Überlebenden sei der Missbrauch oft nicht bewusst, erklärte Heide Hildebrand. Sie hätten Strategien zum Überleben entwickelt. Der erste Schritt zur Heilung sei allerdings ein bewusstes Erinnern an zumeist in früher Kindheit erlebten körperlichen Übergriffe. So trug Sylvia Springer Berichte von Missbrauchsopfern vor, in denen deutlich wurde, wie drastisch die Auswirkungen sexueller Gewalt das spätere Leben bestimmen. Die Beziehungen der Überlebenden, die Sexualität und das Selbstwertgefühl haben großen Schaden erlitten.

"Ich spüre nichts", schreibt eine Betroffene im Gedicht "Mitternacht" und macht damit deutlich, dass die Frauen keine Gefühle mehr zulassen können, Nähe schwer ertragen können und wenig Bereitschaft zeigen, über das Erlebte zu sprechen.

Der Heilungsprozess beginne allerdings erst mit der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs, bekräftigte Heide Hildebrand. Daher müsse man Gefühle wie Wut, Angst und Schmerz wieder zulassen und ausdrücken: "Dazu gehört sehr viel Mut", erklärte die Förderkreisvorsitzende. Helfen könnten eine Therapie oder eine Selbsthilfegruppe.

Quälende Erinnerungen und erschütternde Zeugnisse von Überlebenden stellte Sylvia Springer in ihrer Lesung vor, die allen Zuhörern unter die Haut gingen. Um die deprimierende Stimmung gegen Ende der Lesung ein wenig aufzuhellen, las sie zum Schluss drei Gedichte vor, die als Zeichen der Hoffnung zu werten waren und die das Motto der Lesung "Jetzt kann ich wieder lachen" unterstrichen.


 

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